Der Neubeginn nach der Inflation

Nachdem durch die Verantwortlichen der SESAG die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Neubeginn geschaffen wurden, wurde der Straßenbahnbetrieb am 16. April 1924 wieder aufgenommen.

Betrieb:

Nach der mehr als 15 Monate dauernden Betriebsruhe wurde der Straßenbahnbetrieb am 16. April 1924 wieder aufgenommen. Außer der Verbindung Albertplatz - Dittrichplatz wurde auch wieder das gesamte Netz bedient. Ab 1. Oktober 1925 fuhren die Triebwagen auch wieder auf der o.g. Teilstrecke.

Die im Dezember 1922 entlassenen Mitarbeiter hielten dem Unternehmen die Treue und nahmen fast alle wieder den Dienst auf.

Ab 4. April 1939 wurde das Farbschema im Liniennetz aufgrund gesetzlicher Bestimmungen durch numerische Linienbezeichnungen ersetzt, es entstanden die Linien 1 bis 4.

Am 19. März 1945 erfolgte der 7. Bombenangriff auf das Stadtgebiet Plauen. Danach musste die SESAG den Betrieb der Plauener Straßenbahn einstellen, da die Schäden am Netz keinen Betrieb mehr zuliessen.

Streckeneröffnungen:

Der schon 1904 verabredete Bau einer Straßenbahnstrecke zum damals geplanten Bahnhof Chrieschwitz kam nie zur Ausführung. Ersatzweise wurde ab 1927 eine Buslinie zwischen Tunnel und Chrieschwitz eingerichtet. Die Kraftverkehrsgesellschaft Sachsen (KVG) fuhr die Leistungen im Auftrag der SESAG. Trotz oder gerade wegen des um 5 Pfennig höheren Tarifs war die Linie nie erfolgreich und bedarf erheblicher Zuschüsse, so dass sie schon nach 3 Jahren und 8 Monaten wieder eingestellt wurde. Planungen zur erneuten Eröffnung dieser Linie ab 2. September 1939 konnten kriegsbedingt nicht verwirklicht werden.

Die seit 1939 verfolgten Pläne zur Errichtung einer OBus-Linie zwischen Neundorf und Haselbrunn wurden ab 1941 nicht weiter verfolgt.

Fahrzeugpark:

Schon im Jahr 1926 wurden bei MAN Nürnberg die Triebwagen 46 bis 49 beschafft und in Betrieb genommen. Zwei Jahre später folgten die Triebwagen 50 bis 56 vom gleichen Typ und Hersteller. Alle Fahrzeuge dieser beiden Serien wurden mit den obligatorischen Lyrastromabnehmern geliefert. Allerdings wurden schon 1928 diverse Tests mit einem Scherenstromabnehmer am Tw 55 vorgenommen. Diese wurden erfolgreich abgeschlossen und im Jahr 1938 wurden die Triebwagen 46 bis 56 mit eben solchen ausgerüstet.

 Ab 1932 bekamen die Triebwagen 16 bis 45 halb geschlossene Vorbauten, ab Mai 1936 Fahrtrichtungsanzeiger in Form roter Lampen und ab 1939 wurden alle Fahrzeuge bis Tw 45 mit Frontscheinwerfern ausgerüstet.

Die aus dem Mangel geborene Idee, die Bremsklötze der Triebwagen statt aus Gußmetall aus Beton anzufertigen, stellte sich alsbald als Fehler heraus. Beton war den Anforderungen nicht gewachsen.

Infrastruktur:

Ab 4. Juli 1931 wurde an der Wiesenstraße eine Wagenhalle mit angeschlossener Werkstatt errichtet. Die bisherigen Kapazitäten reichten nicht aus um den inzwischen erheblich gewachsenen Wagenpark adäquat unterzubringen. Diese 7-gleisige Halle wurde über eine Schiebebühne befahren.

Entsprechende Planungen, die ab 1939 angestellt wurden, eine weitere Wagenhalle in der Melanchthonstraße aufzubauen wurden durch die Auswirkungen des begonnen 2. Weltkriegs zunichte gemacht.

Tickets:

Mit der Wiederaufnahme des Betriebs wurden auch die Ticketpreise wieder auf dem Vorkrisen-Niveau etabliert. Für eine Einzelfahrt waren 15 Pfennig zu entrichten, die bekannten Tarife für verschiedene Benutzergruppen wurden ebenfalls wieder angeboten.

Ab 15. Mai 1931 wurden die Ticketpreise leicht erhöht. Ab 3 Teilstrecken mussten die Fahrgäste nun 20 Pfennig statt 15 Pfennig bezahlen.

Ab 1. November 1944 wurde das Tarifsystem stark vereinfacht, es wurden nur noch Einzelfahrscheine á 20 PFennig ausgegeben und Sammlekarten mit 7 Fahrten zu 1 RM.