Die ersten Jahre

Bis 1922 war der Betrieb der Plauener Straßenbahn geprägt von laufenden Veränderungen und neuen Herausforderungen.

Streckeneröffnungen:

Am 21. November 1899 wurde die Strecke von der Zentralhaltestelle Tunnel nach Neundorf eröffnet. Zuerst fuhren die Bahnen nur bis zum Grünen Kranz, am 1. Januar 1905 erfolgte die Eröffnung der Verlängerung bis zur Kaserne (damals: Zeppelinplatz, heute: Rosa-Luxemburg-Platz).

Die Strecke nach Haselbrunn wurde am 17. Mai 1902 freigegeben. Sie führte anfangs bis zur Parkstraße, die Verlängerung bis zum Waldschlösschen wurde am 5. September 1909 vollendet.

Am 24. August 1905 wurde die Strecke Dittrichplatz - Preißelpöhl eröffnet. Sie führte über die an diesem Tag von König Friedrich August III. eingeweihte Brücke über das Syratal und endete vorerst am Friedhof. Ab 1. Juni 1906 war die Strecke bis zur Endstelle Preißelpöhl fertiggestellt.

Als vorerst letzte Strecke konnte am 2. Dezember 1909 die Verbindung Tivoli -> Reinsdorf (heute: Südvorstadt) in Betrieb genommen werden.

Nachdem der Bau der Strecke Dittrichplatz - Unterer Bahnhof schon im ersten Monat der Bauarbeiten wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs ins Stocken geriet, benutzte man die dort verlegten Schienen zum Aufbau der Strecke Albertbrücke (heute: Alte Elsterbrücke) nach Hauptfriedhof. Diese wurde am 11. Juni 1921 als "Grüne Linie" bis zum Schloß Reusa in Betrieb genommen

Fahrzeugpark:

In Folge der rasanten Netzerweiterungen der Plauener Straßenbahn, erfuhr auch der Fahrzeugpark eine entsprechende Erweiterung.

In den ersten 10 Jahren des Betriebs wurden insgesamt 34 Triebwagen beschafft, dies geschah in mehreren Lieferungen. Die Treibwagen 10 und 11 wurden 1898 geliefert, die Wagen 12 bis 15 ein Jahr später. 1902 folgten die Treibwagen 16, 17 und 18 und 1903 die Wagen 19 und 20. Die letzte Lieferung erreichte Plauen im Jahr 1905, MAN Nürnberg lieferte die Wagen 21 bis 34.

Triebwagen 21 steht vor einem anderen historischen Triebwagen
Tw 21

Die Wagen unterschieden sich im Wesentlichen in ihren technischen Parametern (Motorleistung, mögliche Besetzung), äußerlich waren sie sich sehr ähnlich.

Eine Verbesserung des Komforts für die Fahrgäste führte die Plauener Straßenbahn nach Erprobungen in eigener Regie 1901 ein: Sie rüstete ihre Triebwagen mit einer elektrischen Heizung aus, die in eigener Werkstatt hergestellt wurde. Und im Jahr 1902 ersetzte man alle Stangenstromabnehmer durch Stromabnehmer vom Typ Lyra.

Im Jahr 1911 vervollständigten die Triebwagen 35 bis 40 den Fahrzeugpark, 1912 folgten die Triebwagen 41 bis 45.

Infrastruktur:

Da die Wagenhalle für den beständig wachsenden Fahrzeugbestand nicht genügend Platz bot, entschloss man sich in der Talbahnstraße eine weitere Halle zu bauen. Diese Halle, die für 6 Triebwagen konzipiert war,  wurde am 3. November 1902 in Betrieb genommen. Allerdings endete ihre Verwendung schon 1905 wieder, bis dahin hatte die Straßenbahn-Gesellschaft in unmittelbarer Nähe zum Unteren Bahnhof eine weitere Wagenhalle aufgebaut. Diese hatte 6 Gleise zu je 4 Stellplätzen und wurde schon 1911 um ein weiteres Stück verlängert.

Das Gebäude der eigenen Kraftstation in der Erholungsstraße wurde nach der Einstellung der Energieerzeugung im Jahr 1904 als Lagerschuppen verwendet.

Am 22. Oktober 1913 wurde an der Zentralhaltestelle Tunnel ein massives Wartehaus eingeweiht. Außer den besseren Bedingungen für wartende Fahrgäste wurde auch ein Raum für die Bediensteten geschaffen. 

Betrieb:

Mit der Eröffnung der Verbindung Dittrichplatz -> Preißelpöhl am 24. August 1905 wurde bei der Plauener Straßenbahn ein Farbscheiben-System zur Linienkennzeichnung eingeführt. Zu dem Zeitpunkt wurden 3 Linien angeboten:

  • Haselbrunn - Neundorf als "Gelbe Linie"
  • Oberer Bahnhof - Unterer Bahnhof als "Blaue Linie"
  • Dittrichplatz - Neundorf als "Rote Linie"

Im Jahr 1909 folgte mit der Verbindung Tivoli - Reinsdorf die "Weiße Linie".

Die "Rote Linie" und die "Weiße Linie" werden in den Folgejahren immer mal wieder kurzzeitig eingestellt. Am 28. Februar 1917 erfolgte dann die Zusammenlegung der "Blauen Linie" mit der "Weißen Linie" wobei die Linie ab Tivoli alternierend die Endstellen Reinsdorf oder Unterer Bahnhof bedienten. Am 1. September 1909 wurde dann die "Rote Linie" zwischen Dittrichplatz und Albertplatz wegen zu geringer Fahrgastzahlen eingestellt um dann zwischen dem 5. Dezember 1921 und dem 19. Februar 1922 doch wieder bedient zu werden.

Ab 1. Januar 1914 wurde der Versuch unternommen, mit sogenannten "Nachtwagen" einen Nachtverkehr zu etablieren. Zum doppelten Preis als üblich konnten die Fahrgäste die Verbindung Unterer Bahnhof - Tunnel - Haselbrunn benutzen.

Am 31. Dezember 1922 musste der Betrieb auf allen Strecken durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise eingestellt werden.

Tickets:

Fahrscheine im heutigen Sinne gab es in der Anfangszeit noch nicht. Vielmehr wurde mit Bargeld oder Wertmarken bezahlt, die in eine Zahlbox im Wagen eingeworfen worden. Der Standardpreis betrug damals 10 Pfennige je Person und berechtigte zu einem Umstieg. Für Kinder gab es ermäßigte Wertmarken zu 1,- Mark für 15 Stück. Beamte bekamen ebenso ermäßigte Wertmarken von ihren Dienststellen.

Mit Beginn des Jahres 1907 begannen in Plauen Schaffner das Fahrgeld im Fahrzeug zu kassieren. Ab diesem Zeitpunkt wurden dann auch Fahrscheine ausgereicht. Das zu entrichtende Fahrgeld wurde nach einem Streckentarif berechnet und betrug 10 oder 15 Pfennige. Außerdem gab es wie heute auch diverse Ermäßigungen für z.B. Schüler.

Das in dieser Zeit reichlich in der Stadt repräsentierte Militär bekam ab 22. August 1914 einen eigenen, rabattierten Tarif. Für 50 Pfennige konnten 10 Fahrten unternommen werden.

Am 01.11.1917 wurden die Fahrpreise erstmals erhöht. Die Erhöhung betrug satte 50% von 10 Pfennig je Fahrt auf 15 Pfennig.